Einladung zur Konferenz am 11. April 2015 “Kinderarmut in einem reichen Land – die Situation in Mannheim”

Samstag, 11. April 2015, 13 – 21:15 Uhr, Jugendkulturzentrum FORUM (Neckarstadt),
veranstaltet vom Mannheimer Aktionsbündnis UmFairTeilen
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unterstützt vom FORUM und vom Stadtjugendring.
Das Programm zur Konferenz steht hier im pdf-Format zum Download zur Verfügung: Flyer Konferenz.pdf oder hier online: Flyer Konferenz online

Veranstalter
Zum parteiunabhängigen Mannheimer Aktionsbündnis UmFairTeilen mit dem Ziel gesellschaftlicher Umverteilung von oben nach unten und dem Kampf gegen Abbau des Sozialstaats haben sich im August 2012 ver.di Bezirk Rhein-Neckar, attac Mannheim, DIDF Mannheim (Dachverband türkischer und kurdischer Arbeiter- und Kulturvereine in Deutschland) und weitere Organisationen und Initiativen zusammengeschlossen.

Ziel der Konferenz
In Vorträgen von Christoph Butterwegge (Prof. für Politikwissenschaft, Uni Köln) und Walter Werner (Sprechergremium Fachgruppe Sozialpolitik und Sozialberichterstattung beim Verein für Sozialplanung e.V., früherer Leiter des Planungsbüros beim Fachbereich Soziales und Arbeit Mannheim, Moderator des Sozialbündnisses gegen Armut Speyer) und Workshops werden die gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Ursachen des rasant gewachsenen Reichtums weniger Eliten und der zunehmenden Armut in Deutschland sowie Wege speziell zur Bekämpfung der Armut und Kinderarmut in Mannheim thematisiert – mit dem Ziel, der Stadt Mannheim konkrete Handlungsschritte vorzuschlagen. Thematisch darauf abgestimmt ist auch das Kulturprogramm mit einer Ausstellung sowie musikalischen und literarischen Beiträgen.

Inhaltlicher Hintergrund der Konferenz
In der Bundesrepublik Deutschland klafft die Schere zwischen Arm und Reich ständig weiter auseinander, wie viele aktuelle Analysen zeigen. Derzeit besitzt das reichste 1 Prozent der Deutschen über ein Drittel des gesamten Vermögens, die reichsten 10 Prozent besitzen zusammen sogar zwei Drittel. Hingegen haben sich in den letzten Jahrzehnten die Lebensbedingungen für sehr viele Menschen in Deutschland verschlechtert. Immer größere Bevölkerungsgruppen werden sozial abgehängt. Heute sind mehr als zwei Drittel aller Arbeitslosen (69,3 %) von Armut bedroht. Eine Armutsgefährdung liegt vor, wenn das für jedes Haushaltsmitglied verfügbare Haushaltseinkommen nicht ausreicht, um die Güter und Dienstleistungen zu erwerben, die zur Abdeckung des jeweiligen nationalen sozialkulturellen Existenzminimums erforderlich sind. Die Grundsicherungsleistung (Hartz IV) liegt noch unterhalb dieses Existenzminimums.
Im Übrigen hat der Staat seit dem Inkrafttreten von Hartz IV circa 75 Milliarden Euro ausgegeben, um minderwertige Jobs bzw. solche Arbeitgeber zu subventionieren, die Hungerlöhne zahlen. Immer noch erhalten geschätzte 1,3 Millionen Menschen, obwohl sie (zum Teil in Vollzeit) tätig sind, Arbeitslosengeld II als sogenannte Erwerbsaufstocker, weil ihr Lohn oder Gehalt unter dem Hartz-IV-Niveau liegt. Besonders betroffen von Armut sind alleinerziehende Familien, kinderreiche Familien von Geringverdienern und Familien mit Migrationshintergrund.

Arm ist nicht nur, wer kein Geld und kein Dach über dem Kopf hat
„Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit leben etwa 1,64 Millionen Kinder unter 15 Jahren – von zirka 10,65 Millionen dieser Altersgruppe insgesamt – in sogenannten Hartz-IV-Haushalten. Berücksichtigt man weiterhin die Kinder in Sozialhilfehaushalten und Flüchtlingsfamilien, die Kinder von Illegalen sowie die Dunkelziffer jener Kinder, deren Eltern keinen Antrag auf Transferleistungen stellen, obwohl sie eigentlich anspruchsberechtigt wären, ist heute fast jedes vierte Kind in Deutschland arm“, stellt der Armutsforscher Christopher Butterwegge in einem Interview im November 2014 fest.
Armut bedeutet Ausgrenzung aus dem „normalen“ Leben in der Nachbarschaft, ein Abbröckeln sozialer Beziehungen mit der Folge einer Abkapselung nach außen.
Ein Leben in Armut bedeutet zugleich schlechte Bildungschancen für die Kinder, und damit Schwierigkeiten, aus der Armutsfalle herauszukommen. Die Kinder aus armen Familien haben seltener ein regelmäßiges Frühstück oder ein warmes Mittagessen, weniger Spiel- und Freizeitmöglichkeiten, sind weniger integriert in Vereinen und in ihrer Schulklasse und leiden an Einschränkungen bei der Ernährung und beim Kauf von Kleidung und Konsumartikeln. Wie soll man z.B. von knapp über 3 Euro am Tag ein Kind gesund ernähren, und wie kann ein Kind mit weniger als 12 Euro pro Monat sich in Mannheim im öffentlichen Nahverkehr bewegen? Je höher das Ausmaß der Ungleichheit ist, desto niedriger sind Lebenserwartung und die von den Kindern erreichte Bildungskompetenz. Umso höher sind z.B. Drogenmissbrauch und die Häufigkeit psychischer Krankheiten.

Was tun?
Zur Bekämpfung der Armut und speziell der Kinderarmut ist nicht nur ein grundlegendes Umdenken auf Bundesebene auf den Gebieten der Steuer-, Sozial-, Familien-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik nötig, sondern Schritte dazu können und müssen dazu auch auf kommunaler Ebene eingeleitet werden – beispielsweise bei der Wohnungsbau- und Stadtentwicklungspolitik. Erste Voraussetzung dazu ist die Erarbeitung einer aktuellen Bestandsaufnahme in Form eines „Armuts- und Reichtumsberichts der Stadt Mannheim“, um auf dieser Grundlage konkrete Maßnahmen in verschiedenen Handlungsfeldern einzuleiten. Dafür die Weichen zu stellen ist ein Hauptziel unserer Konferenz im April 2015.

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