Rückblick: Veranstaltung „Vom Anfang und Ende des Kapitalismus“ mit Ulrike Herrmann

Ulrike Herrmann am 10.11.2016 im Forum
Foto: Kurt Wiessner

Große Resonanz fand mit circa 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Veranstaltung des Mannheimer Bündnisses UmFAIRteilen mit der TAZ-Wirtschaftskorrespondentin Ulrike Herrmann am 10. November im Jugendkulturzentrum FORUM Mannheim. Unterstützt wurde die Veranstaltung – moderiert von Einhart Klucke (ver.di Rein-Neckar; Mannheimer Bündnis UmFAIRteilen – von DGB Kreisvorstand Mannheim/Rhein-Neckar, IG Metall Mannheim, ver.di Bezirk Rhein-Neckar, Überbetriebliches Solidaritätskomitee Rhein-Neckar, attac Mannheim, DIDF Demokratische Arbeitervereine Mannheim und dem Jugendkulturzentrum Forum Mannheim.

Ulrike Herrmann stellte in ihrem durchweg spannenden Vortrag vor allem ökonomische und sozialpolitische Analysen und Thesen vor, die sie auch in ihren TAZ-Kolumnen und den Büchern „Der Sieg des Kapitals: Wie der Reichtum in die Welt kam“ (2013) und „Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung“ (2016) publiziert hat. Breiten Raum nahmen dabei Themenkomplexe wie die Geschichte des Kapitalismus, dessen Entwicklung zum von Krisen geschüttelten Finanzkapitalismus und die Kritik der vorherrschenden, von neo-liberalen „Glaubenssätzen“ geprägten Nationalökonomie ein. („Gelehrt wird immer noch das irreale Modell einer ausgleichenden, harmonisierenden ´Marktwirtschaft`. Aber was wir heute erleben, ist die Pervertierung des Kapitalismus… Wir fahren vor eine Wand, aber niemand erforscht den Bremsweg.“)

Ulrike Herrmann am 10.11.2016 im Forum
Foto: Kurt Wiessner

Als notwendige erste Maßnahmen für einen solchen „Bremsweg“ nannte Herrmann unter anderem staatliche Interventionen und Investitionen in die soziale Infrastruktur statt der „Schwarzen Null“, Erhebung von Vermögenssteuern zur Finanzierung solcher Projekte, ein Wachstum der Reallöhne, keine Privatisierung der Altersfürsorge, Erhebung einer Finanztransaktionssteuer.

Nach Herrmann hat der Kapitalismus in seiner jetzigen Form keine Zukunft und muss am eigenen Drang und Zwang zu permanentem Wachstum bei endlichen Ressourcen irgendwann scheitern. Allerdings hat (selbstverständlich) auch sie keine fertige Antwort darauf, wie und in welcher Richtung sich die Transformation in ein anderes System – das „Ende des Kapitalismus“ – vollziehen könnte, und wie man darauf in einer Demokratie, die eine Mehrheit in der Gesellschaft braucht, so hinarbeiten kann, dass ein „friedlicher Übergang“ durch Konsens möglich wird.

In ihrem Buch „Der Sieg des Kapitals“ (ähnlich in ihrem Vortrag) heißt es dazu: „Es wird sich ein neues System herausbilden, das heute noch nicht zu erkennen ist. Aber es wird seine Zeitgenossen genauso überraschen, wie es der Kapitalismus tat, als er 1760 im Nordwesten Englands entstand. Niemand hat ihn erwartet, niemand hat ihn geplant – und trotzdem gibt es ihn. Es gehört zu den faszinierenden Eigenschaften des Menschen, dass er seine eigenen Kulturleistungen weder vorhersieht noch gänzlich versteht. Wo der Mensch ist, ist das Ende offen.“

Vor allem dieser letzte Teil ihres Vortrags war Gegenstand der lebhaften und teilweise kontroversen abschließenden Diskussion. Denn viele VeranstaltungsteilnehmerInnen waren und sind derzeit unmittelbar von der Willkür internationaler Konzerne und drohenden oder schon vollzogenen Massenentlassungen betroffen und täglich mit der konkreten Gegenwehr gegen den „Sieg des Kapitals“ beschäftigt. Da scheint die Vorstellung von Konsens und einem sanften Ende des jetzigen Systems sehr weit weg.

Usch Kiausch – Mannheimer Bündnis UmFAIRteilen

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